Ich bin vor ein paar Monaten mit einer ziemlich konkreten Frage in eine Deep-Breathwork-Session gegangen:
Was habe ich eigentlich für ein Thema mit Essen? Warum esse ich bei Stress, obwohl ich ziemlich genau weiß, was meinem Körper guttut?
An fehlendem Wissen lag es nicht. Ich wusste, was gesunde Ernährung ist. Ich wusste auch, dass Essen ein Problem nicht einfach verschwinden lässt. Dieses Wissen hielt mich trotzdem nicht davon ab, mich in bestimmten Situationen vollzustopfen.
Ich wollte verstehen, was da eigentlich passiert.
Das Kind, das sich mit Essen vollstopft
Während der Breathwork-Session begegnete ich meinem inneren Kind.
Ich sah es vor mir, wie es sich mit Essen vollstopfte. Nicht, weil es Hunger hatte. Es aß und aß, bis sein Körper voll und schwer war.
Ich fragte es:
Warum machst Du das?
Die Antwort kam nicht als ausformulierter Satz. Sie war plötzlich einfach da:
Dieses Kind versuchte, seine eigene Energie herunterzubremsen.
Da war so viel davon. So viel Unruhe, Bewegung, Neugier und wilde ADHS-Lebenskraft. Nur hatte dieses Kind keine Ahnung, wohin damit. Es kannte keinen Weg, diese Energie gut zu halten oder ihr eine Richtung zu geben.
Also aß es.
Mit jedem Bissen wurde der Körper ein bisschen voller. Ein bisschen schwerer. Irgendwann auch müde genug, damit die ganze Energie leiser wurde.
Je länger ich dieses Kind ansah, desto weniger sah ich ein falsches Verhalten. Ich sah ein Kind, das versucht hatte, sich selbst zu helfen – mit dem, was ihm damals zur Verfügung stand.
Und ich hatte plötzlich so viel Mitgefühl mit ihm.
Es wollte nichts kaputt machen. Es wollte Ruhe. Es wollte mit dieser ganzen Energie nicht länger allein sein. Das Essen war der Weg, den es dafür gefunden hatte.
Am liebsten hätte ich es in den Arm genommen und gesagt:
Ich verstehe jetzt, warum Du das machst. Du musst damit nicht mehr allein bleiben.
Das Bild hat mich tief berührt.
Denn zum ersten Mal fragte ich mich nicht mehr nur, wie ich dieses Essen loswerde.
Ich fragte mich:
Was braucht dieses Kind? Was brauche ich heute, damit diese ganze Energie einen guten Platz in meinem Leben bekommt?
Warum esse ich bei Stress?
Stressessen wird häufig als Reaktion auf Gefühle wie Überlastung, Langeweile, Kummer oder innere Unruhe beschrieben. Das Essen erfüllt dann eine Aufgabe: Es beruhigt, lenkt ab, belohnt oder dämpft etwas, das gerade unangenehm ist.
Bei mir zeigte sich in dieser Session noch ein anderer Aspekt:
Ich aß, um mein Energieniveau zu verändern.
Das Essen machte mich schwer genug, damit ich diese ganze Energie für eine Weile nicht mehr spüren musste. Ich brauchte mich nicht mehr zu bewegen. Ich musste mit ihr nichts anfangen. Nach dem Essen war weniger von mir übrig, das irgendwohinwollte.
Damit veränderte sich auch meine Frage.
Aus „Wie bekomme ich mein Essverhalten in den Griff?“ wurde:
Was braucht diese Energie, damit ich sie leben kann?
Auf welchem Energieniveau möchte ich mein Leben verbringen?
Ich habe anscheinend ein ziemlich hohes Energielevel in mir.
Wenn es mir gut geht, zeigt es sich als Neugier, Bewegungsdrang, Ideen, Lust auf Menschen, Sport, Arbeit und Abenteuer. Ich kann mich für Dinge begeistern und tief in ein Thema eintauchen.
Diese Energie hat allerdings auch eine andere Seite.
Aus einer spannenden Aufgabe wird ein Arbeitstunnel. Aus „Das mache ich noch eben fertig“ werden fünf weitere Dinge. Ich merke zu spät, dass ich Hunger habe. Pausen verschwinden. Kontakte und alles, was außerhalb meiner Aufgaben stattfindet, bekommen am Ende den Rest.
Manchmal bremst mich das Essen. Manchmal macht es die Erschöpfung. In beiden Fällen ist meine Energie irgendwann weg.
In der Breathwork-Session entstand deshalb eine Frage, die mich bis heute begleitet:
Auf welchem Energieniveau möchte ich eigentlich mein Leben verbringen?
Ich möchte meine Energie nicht nur für Arbeit, Anforderungen und das nächste Projekt einsetzen. Ich möchte noch etwas davon übrig haben, wenn ich mich bewege, Menschen treffe, unterwegs bin oder etwas Neues entdecke.
Und ich möchte auch zur Ruhe kommen können, ohne mich dafür erst vollkommen erschöpfen oder vollstopfen zu müssen.
Was braucht ein Körper, der viel Energie tragen soll?
Die Antwort, zu der ich in dieser Session kam, war erstaunlich bodenständig.
Wenn ich auf einem hohen Energieniveau leben möchte, muss ich mich dabei unterstützen.
Mein Körper braucht Nahrung, die ihn wirklich versorgt. Er braucht ausreichend Schlaf. Er braucht Kraft, Sport und Ausdauer. Er braucht Bewegung, damit Energie nicht nur in meinem Kopf stattfindet.
Und er braucht Regeneration.
Seit dieser Erfahrung ist Regeneration für mich immer wichtiger geworden. Denn viel Energie zu haben bedeutet noch lange nicht, gut mit ihr umgehen zu können.
Ich kann meine Energie in wenigen Stunden verbrauchen. Ich kann über Hunger, Müdigkeit und Anspannung hinweggehen. Ich kann so lange weitermachen, bis mein Körper die Entscheidung übernimmt und nichts mehr geht.
Das ist allerdings kein besonders gutes Energiekonzept.
Ein Körper, der etwas erleben, bewegen und tragen soll, braucht mehr als Aktivierung. Er braucht den Wechsel zwischen Anstrengung und Erholung, Fokus und Weite, Bewegung und Ruhe.
Voll sein ist nicht dasselbe wie regeneriert sein
Das Essen hat damals etwas bewirkt. Es hat mich heruntergebremst.
Trotzdem war ich danach nicht erholt. Ich war voll, schwer und müde.
Auch Erschöpfung kann von außen wie Ruhe aussehen. Ich liege auf dem Sofa, bewege mich nicht mehr und bekomme kaum noch etwas auf die Reihe. Mein Körper ist ruhiggestellt. Innerlich läuft der Tag trotzdem weiter.
Regeneration fühlt sich anders an.
Meine Gedanken werden weicher und weiter. Mein Körper lässt Spannung los. Ich kann wieder wahrnehmen, was ich brauche. Irgendwann entsteht neue Lust auf Bewegung, Kontakt oder eine Aufgabe.
Meine Energie ist dann nicht verschwunden. Sie ist wieder verfügbar.
Innere Ausgeglichenheit bedeutet deshalb auch nicht, dauerhaft entspannt zu sein, sondern zwischen Anspannung und Entspannung umschalten zu können.
Energie, wenn ich etwas bewegen will.
Fokus, wenn es darauf ankommt.
Entspannung, wenn der Druck nachlässt.
Und Ruhe, die tatsächlich bei mir ankommt.
Was Breathwork sichtbar machen kann
Die Deep-Breathwork-Session hat mein Essverhalten nicht auf magische Weise verändert. Sie hat mir ein Bild gegeben, durch das ich mich selbst anders verstehen konnte.
Ich sah kein maßloses Kind, das sich einfach nicht beherrschen konnte.
Ich sah ein Kind mit enorm viel Energie, das Unterstützung brauchte.
Diese Erfahrung hat meinen Blick verändert. Auf mein Essen, auf meine ADHS-Energie und auf die Bedeutung von Regeneration.
Die eigentliche Arbeit begann danach: beim Schlafen, Essen und Trainieren. In meinen Pausen. In der Frage, wann ich weitergehe und wann ich aufhöre. Und in der Entscheidung, wofür ich meine Energie eigentlich einsetzen möchte.
Genau diese Verbindung zwischen Erkenntnis und Alltag interessiert mich heute auch in meiner Arbeit.
→ Deep Breathwork kann Erfahrungen ermöglichen, die über das gewohnte Nachdenken hinausgehen. Etwas wird sichtbar, spürbar oder bekommt plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Im → Breath Reset geht es anschließend um die konkrete Veränderung im Alltag: Wo verlierst Du Deine Energie? Wann fällt es Dir schwer, nach Anspannung wieder ruhiger zu werden? Was soll sich in Deinem Leben anders anfühlen? Und wo kann Dein Atem Dich dabei tatsächlich unterstützen?
Was braucht Deine Energie?
Ich glaube heute nicht, dass mein hohes Energieniveau das Problem war.
Das Problem war, dass ich keinen guten Weg kannte, diese Energie zu tragen, zu nutzen und wieder aufzufüllen.
Regeneration gehört zu meiner Lebendigkeit. Sie hilft, dass meine Energie entsteht, sich bewegen kann und mir auch für die Teile meines Lebens bleibt, die auf keiner Aufgabenliste stehen.
Die Frage aus dieser Breathwork-Session begleitet mich deshalb noch immer:
Auf welchem Energieniveau möchte ich eigentlich mein Leben verbringen?
Und direkt dahinter kommt eine zweite:
Was muss ich mir geben, damit meine Energie einen guten Platz in meinem Leben hat?
INFOTERMIN
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