Ich will einfach nur nach Hause

Ich sitze hier gerade unter dem blauen Himmel von Mallorca und will einfach nur nach Hause.

Das ist wahrscheinlich nicht der erste Satz, den du erwartest, wenn ich über den Zauber des Alleinreisens schreibe. Und gleichzeitig ist es genau der Punkt, an dem dieser Zauber beginnt.

Nicht in den perfekten Momenten, nicht in den Sonnenuntergängen oder den schönen Fotos, sondern in den Momenten, in denen du merkst, dass du wirklich auf dich gestellt bist. Keine Ablenkung, keine Co-Regulation, niemand, der dich auffängt oder dir sagt, was jetzt zu tun ist.

Nur du.

Wenn Energie auf Widerstand trifft

Was mich an diesen Punkt gebracht hat, ist eigentlich ziemlich simpel: ein Mismatch.

In mir ist gerade unglaublich viel Lust auf Leben, auf Bewegung, auf Erleben. Und gleichzeitig liege ich hier mit einer Erkältung, die mich komplett ausbremst. Dazu ein paar Tage schlechtes Wetter, starker Wind, Pläne, die nicht funktionieren.

Es ist diese Mischung aus innerem Drang und äußerem Stillstand, die alles so unangenehm macht. Energie trifft auf Widerstand – und plötzlich fällt das ganze Bild auseinander, das ich mir vorher von dieser Reise gemacht habe.

Der Moment, in dem ich einfach nicht mehr konnte

Diese Reise hat genau so angefangen.

Ich stehe am Flughafen, schaue auf die Anzeigetafel – mein Flug steht nicht drauf. Ein Blick auf die Bordkarte zeigt mir, dass der Flug vorverlegt wurde. Vor zwei Stunden. Abgeflogen.

Also erstmal: neues Ticket kaufen.

Ein paar Stunden später komme ich an. Palma Flughafen, Osterferien, Menschenmassen, Hitze. Ich in warmen Klamotten aus Deutschland, irgendwo zwischen zu vielen Leuten und zu wenig Orientierung, auf der Suche nach dem Shuttle zum Mietwagen.

Es ist laut, voll, unübersichtlich. Ich warte, mir ist heiß, ich merke, wie meine Energie langsam runtergeht und der Druck in mir steigt.

Dann endlich das Auto. Ich fahre zum Hotel.

Kein Parkplatz.

Also parke ich irgendwo weit weg, lade meine zwei Koffer aus und laufe los. Über einen Schotterparkplatz, der so grob und uneben ist, dass die Rollen meiner Koffer immer wieder einsinken. Ich ziehe, sie bleiben hängen. Ich ziehe fester, meine Jacke fällt mehrfach runter, ich komme kaum voran, es ist heiß, ich bin müde, und alles in mir fängt an zu protestieren.

Und irgendwann ist einfach dieser Punkt da, an dem ich merke: Ich kann gerade nicht mehr.

Nicht dramatisch, nicht laut, sondern ganz nüchtern. Mein Körper sagt mir ziemlich klar, dass es gerade reicht.

Im Hotelzimmer angekommen – dunkel, abgewohnt, nach Putzmittel stinkend – sitze ich da und mir kommen die Tränen. Nicht, weil irgendetwas wirklich schlimm ist, sondern weil es einfach zu viel auf einmal war.

Du triffst nicht nur auf Orte – du triffst auf dich

Diese Übergangsmomente sind für mich immer herausfordernd. Ankommen, neu orientieren, mich innerlich sortieren – mein Nervensystem braucht dafür Zeit.

Der Unterschied zu früher ist, dass ich das inzwischen kenne. Ich weiß, dass dieser Zustand kommt, und ich weiß auch, dass er wieder geht. Auch wenn natürlich zwischendurch Gedanken auftauchen wie: Was mache ich hier eigentlich? Warum bin ich alleine hier?

Und genau da liegt der eigentliche Punkt.

Beim Alleinreisen triffst du nicht nur auf neue Orte. Du triffst auf dich selbst. Auf deine Grenzen, auf deine Unsicherheiten, auf diese Momente, in denen du nicht genau weißt, wie es weitergeht.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Flug alleine und dieses Gefühl von: Krieg ich das überhaupt hin? Heute sind es andere Situationen, aber die Dynamik ist die gleiche. Nur dass ich inzwischen das Selbstvertrauen habe, mich da durch zu navigieren.

Radikale Selbstverantwortung

Ein paar Stunden später laufe ich durch Port de Sóller. Es ist voll, laut, eigentlich zu viel Input für meinen nervlichen Zustand. Und gleichzeitig merke ich, wie ein Eis und ein Café con leche an der Promenade langsam etwas in mir verändern.

Das sind keine großen Lösungen. Aber es sind Dinge, die mir helfen, wieder bei mir anzukommen.

Und genau darin liegt für mich der Kern vom Alleinreisen: radikale Selbstverantwortung.

Wenn mir kalt ist, kümmere ich mich darum, dass mir warm wird. Wenn ich Hunger habe, sorge ich dafür, dass ich etwas zu essen bekomme. Wenn ich merke, dass ich überfordert bin, finde ich einen Weg, mich wieder zu regulieren.

Niemand übernimmt das für mich. Und genau das verändert etwas.

Pläne scheitern – und du bleibst trotzdem beweglich

Diese Reise hat mich immer wieder mit meinen Plänen konfrontiert.

Ein Freediving-Training, das plötzlich ganz woanders stattfindet als gedacht. Ein Tauchgang, den ich für meinen Geburtstag geplant hatte und der dann wegen Sturm nicht stattfinden kann.

Pläne, die nicht aufgehen.

Und jedes Mal stehe ich vor der gleichen Frage: Okay, was jetzt?

Früher hätte mich das deutlich mehr aus der Bahn geworfen. Heute merke ich, dass genau in diesen Momenten etwas passiert. Ich werde beweglicher. Nicht, weil ich alles im Griff habe, sondern weil ich gelernt habe, mich selbst wieder einzufangen und neu auszurichten.

Erlebnisse, die nur dir gehören

Es gibt auf solchen Reisen viele Momente, die niemand mitbekommt.

Ein Training im Wasser, bei dem niemand am Rand steht und klatscht. Ein kleiner Fortschritt, den niemand mit dir feiert. Ein Erlebnis, das nur dir gehört.

Und genau das ist am Anfang ungewohnt.

Ich habe früher oft gedacht, dass Erlebnisse erst dann wirklich etwas wert sind, wenn ich sie teilen kann. Wenn jemand sie sieht, wenn jemand sie bestätigt.

Heute erlebe ich das anders.

Ich merke selbst, was ich geschafft habe. Ich spüre, wo ich meine Grenzen erweitern konnte, mich selbst herausgefordert habe. Und ich gebe mir selbst die Anerkennung dafür.

Ich brauche keine Anerkennung von außen, weil es mir selbst etwas bedeutet.

Mit dir selbst sein – auch wenn es unangenehm ist

Ich nutze diese Zeit auch ganz bewusst, um bei mir zu sein. Zum Reflektieren, zum Fühlen, manchmal auch einfach zum Weinen.

Fragen, die im Alltag oft keinen Platz haben, tauchen hier ganz automatisch auf: Was hat sich in den letzten Monaten verändert? Was habe ich verloren, was habe ich gewonnen? Wo bin ich klar, und wo nicht?

Und ja – das ist manchmal ziemlich beschissen.

Aber genau darin liegt für mich der Wert.

Mein erster Geburtstag allein

Dieses Jahr habe ich meinen Geburtstag zum ersten Mal komplett alleine verbracht.

Früher war das ein Tag, an dem ich gesehen werden wollte, an dem ich Erwartungen hatte, an dem ich mich besonders fühlen wollte.

Dieses Jahr war es anders. Ich war krank, lag im Bett, irgendwo im Unterkunftswechsel zwischen dem Hotelzimmer, das ich nicht mochte, und einer ausgekühlten Ferienwohnung.

Und gleichzeitig habe ich mich um mich selbst gekümmert. Ich habe mir etwas zu essen gemacht, mir Zeit genommen, mich hingelegt, mich ausgeruht. Immer wieder mit mir selbst eingecheckt was ich für meinen Komfort brauche.

Ich habe mich selbst gesehen. Auch in den Momenten, die nicht schön waren.

Was wirklich bleibt

Und jetzt sitze ich hier und denke: Ich will nach Hause.

Und gleichzeitig weiß ich, dass das gerade einfach Erschöpfung ist. Die Erkältung, dieser innere Widerspruch zwischen wollen und nicht können.

Ich kann das einordnen.

Ich muss nicht sofort reagieren. Ich muss nichts verändern. Ich kann einfach hier sitzen und diesen Zustand aushalten. Ohne Drama.

Der eigentliche Zauber

Der Zauber des Alleinreisens liegt für mich nicht in der Freiheit im Außen.

Er liegt in der Stabilität im Innen.

In der Fähigkeit, bei mir zu bleiben, auch wenn es unangenehm wird. Auch wenn niemand da ist, der mich auffängt. Auch wenn Dinge nicht so laufen, wie ich es mir vorgestellt habe.

Und genau da entsteht Wachstum.

Nicht in den schönen Momenten. Sondern in denen, in denen du merkst:

Ich komme klar.

Das Spannende ist: Diese Momente gehören nicht nur ins Reisen.

Sie sind im Alltag genauso da. Nur oft leiser.

Dieses Gefühl von Enge, von innerem Druck, von „es ist gerade zu viel“ – das zeigt sich nicht nur auf einem Schotterparkplatz mit zwei Koffern in der Hitze. Das zeigt sich auch zu Hause. Im Alltag. In ganz normalen Situationen.

Der Unterschied ist: Im Alltag gehe ich oft schneller darüber hinweg.

Hier, auf dieser Reise, habe ich keine Möglichkeit auszuweichen. Und genau dadurch merke ich, dass es weniger darum geht, alles im Griff zu haben – sondern darum, überhaupt wahrzunehmen, was gerade in mir passiert.

Wo wird es eng?
Wo bin ich angespannt?
Wo kippt meine Stimmung?

Und genau das ist etwas, das ich mitnehme.

Im Kern geht es dabei immer um den gleichen Punkt:

wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen.

Nicht nur zu merken, dass etwas „nicht stimmt“, sondern wirklich zu spüren, wie sich das anfühlt. Wo im Körper sich Spannung zeigt. Wo es eng wird. Und was passiert, wenn ich dem Raum gebe, statt es wegzudrücken oder zu übergehen.

Auf dieser Reise passiert das ganz automatisch, weil ich mir selbst nicht ausweichen kann.

Im Alltag geht das oft verloren.

Und genau da setzt mein neues Angebot → BodyLab an.

Es ist ein Raum, in dem es nicht darum geht, etwas zu verstehen oder zu lösen, sondern zu erleben.

Über Bewegung, über Wahrnehmung, über den Körper.

Zu spüren, wie es dir wirklich geht.
Wo dein Körper festhält.
Und was sich verändert, wenn du anfängst, dich darauf einzulassen.

Nicht als Konzept.
Sondern als direkte Erfahrung.

INFOTERMIN

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